Schreckgespenst Mauke/Raspe

Mauke bei einem Shire Horse

Einführung

„Das Pferd hat Mauke!“ So eindeutig diese Aussage wirkt, so nebulös wird es, wenn Betroffene sich über diese Diagnose informieren wollen. Mauke gilt vielfach noch als Mysterium. Dieses Bild wird bestätigt, wenn man in einer der Suchmaschinen im Internet unbestimmt nach dem Begriff „Mauke“ sucht. Alleine der Platzhirsch Google findet knapp 600.000 (in Worten: sechshundert-tausend) Treffer. Auf den ersten Seiten der Suchergebnisse findet man ein paar Webseiten, die Mauke versuchen zu erklären. Ansonsten fast ausschließlich Hersteller von Salben und Pillen, die alle versprechen es zu heilen. Die Erfahrung zeigt: wenn es so viele verschiedenen Mittel gibt, dann hilft keines wirklich, denn dann gäbe es die anderen nicht mehr. Im weiteren Verlauf dieses Beitrages wird klar, warum es das eine Wunder-Heilmittel nicht geben kann.

Leider wird bei den meisten Texten über Mauke direkt mit Behandlungen und Therapie-Empfehlungen angefangen. Besonders, wenn der Autor des Textes ein eigenes Heilmittel anbietet. Es ist aus meiner Sicht wichtiger vorab zu klären, um welche Krankheit(en) es sich bei Mauke eigentlich handelt. Nur wenn eindeutig klar ist, worum es genau geht, kann die passende Therapie und Prophylaxe gewählt werden.

Ich mache an dieser Stelle darauf aufmerksam, dass alle in diesem Text beschriebenen Behandlungen unter Aufsicht eines Tierarztes durchgeführt werden sollten. Ich lehne jegliche Haftung ab!

Nach der Klärung des Krankheitsbildes Mauke, wird dieser Beitrag einen Hintergrund zu den möglichen und typischen Ursachen für Mauke geben. Mit dem so aufgebauten Wissen kann dann sinnvoll über erfolgreiche Behandlungen und Therapien gesprochen werden.

Unbehandelt wird sich Mauke in den meisten Fällen nicht bessern, sondern wird schlimmstenfalls chronisch. Das führt zu Verdickungen der Haut, offene, nässende und eiternde Wunden, Schmerzen und letztendlich zu Lahmheit. Um etwas Positives vorwegzunehmen: erfolgt eine umgehende Behandlung und eine Beseitigung der Ursachen, dann ist Mauke durchaus heilbar.

Einige Teile der Informationen in diesem Beitrag entstammen der am Ende gelisteten Literatur und wissenschaftlichen Arbeiten. Bei Übernahme größerer Textstellen ist es entsprechend gekennzeichnet. Eine sehr empfehlenswerte Literatur ist der im Cadmos Verlag erschienene Ratgeber „Mauke – Vorbeugen, Erkennen, Behandeln“ von Anke Rüsbüldt [Rüsbüldt, 2007]

Definition, oder: Was ist Mauke?

Der Begriff „Mauke“ wird als Sammelbegriff für verschiedene Hauterkrankungen in der Fesselbeuge verwendet und ist kein medizinischer Fachbegriff! Oberhalb der Fesselbeuge spricht man von Raspe. Beides ist jedoch so ähnlich, dass der Rest dieses Textes sich mit Mauke beschäftigt, Raspe aber immer mit einschließt.

[Möller und Frick, 1921] definieren Mauke als „seit den ältesten Zeiten ein Sammelname für eine Reihe entzündlicher Krankheitsprozesse der äußeren Haut im Bereich der Fessel, namentlich in der Beugefläche (Köte), deren Wesen und Verlauf außerordentlich verschieden sind”.

Anke Rüsbüldt, Fachtierärztin für Pferde, beschreibt in Ihrem Buch [Rüsbüldt, 2007] die Bandbreite der Erkrankungen mit dem Sammelbegriff Mauke sehr gut: „Medizinisch betrachtet ist Mauke eine Bezeichnung für alle Dermatitiden (Hauterkrankungen) am Unterbein. Das können feuchte oder trockene Ekzeme sein, bakterielle Erkrankungen, Pilzinfektionen, Milbenbefall, Entzündungen infolge von Verletzungen, allergische Ekzeme oder Symptome einer inneren Erkrankung oder einer Ausleitungsstörung. […] Zum Teil entstehen infolge einer Mauke Phlegmonen, die in der Reitersprache Einschuss genannt werden. Es können durch eine Mauke-Erkrankung auch vordringende Entzündungen entstehen, die die Blut- und Lymphgefäße angreifen. […] Mauke ist alles andere als nur eine kleine Stelle!”

Dr. Scharnhölz ergänzt die Problematik sehr gut mit Blick auf die Besonderheit der Haut im unteren Beinbereich [Scharnhölz, 2003]:

„Die Haut im Fesselbereich ist beim Pferd, unabhängig von der Rasse, ein problematisches Organ. Nicht sachgemäß behandelte Hautwunden unterhalb von Vorderfußwurzel oder Sprunggelenk führen zur Bildung von wildem Fleisch (Caro luxurians) und zu Narbenkeloiden, die enormen Umfang erreichen können. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Wundheilung im Bereich des Fußes aus anatomisch-physiologischen Gründen anders verläuft als in den übrigen Körperregionen. Tritt als weitere Komponente die bei Kaltblut-Pferden fast typische Verhornungsstörung der Oberhaut hinzu, sind die Voraussetzungen für die Ausbildung bestimmter Maukeformen sehr günstig (aus Sicht der Mauke!)”

Tierärzte unterscheiden verschiedene Stadien der ekzematösen Mauke, die in der folgenden Tabelle beschrieben werden:

Wissenschaftliche BezeichnungLeitsymptom
1. Stadium: Dermatitis erythematosaHyperämie (vermehrte Durchblutung, (leichte) Rötung der Haut)
2. Stadium: Dermatitis madidansDie Haut ist verdickt und warm.
3. Stadium: Dermatitis crustosaDie Haut wird an ihrer Oberfläche zerstört (mit Krustenbildung). Es entsteht ein nässendes Wundsekret.
4. Stadium: Dermatitis squamosaDie Haut quillt auf, es entstehen schmierige Beläge, Knötchen und Bläschen, eine Berührung ist schmerzhaft.
5. Stadium: Dermsatidis verrukosaDer Papillarkörper liegt frei, es entstehen Wucherungen über das normale Hautniveau hinaus.

In der Literatur finden sich ergänzend noch diese Formen nicht-ekzematöser Mauke:

Dermatitis hyperceratotica-hyperplasticaÜberschießende Fehlverhornung der Haut
Dermatitis tuberosa (eigenständige Erkrankung oder aus ekzematöser Mauke hervorgehend)Knotenbildung (sogenannte Hengstknoten)
Dermatitis gangraenosa (Sonderform der Mauke unter Mitbeteiligung bestimmter Bakterienarten)Geschwürige Mauke (mit Zerfall/Absterben von Gewebe (=Brandmauke)
(c) A. Wallraf, 2003

Je nach ihrer Schwere kann Mauke stark schmerzhaft sein und zu Lahmheit und Leistungseinbußen, bis hin zur Leistungsunfähigkeit, führen. In seltenen Fällen kann ein unheilbarer und unerträglicher Zustand entstehen. Desweiteren entsteht ein starker Juckreiz. Das betroffene Pferd stampft und schlägt aus, sodass ein Bruch des Knochenapparates im Huf hinzukommen kann.

Mauke ist nicht ansteckend. Wenn ein hautgesundes, nicht anfälliges Pferd mit an Mauke erkrankten Pferden zusammen steht, geht davon keine Gefahr aus.

Eine andere Krankheit in der Fesselbeuge ist das „Chronisch Progressives Lymphödem“ (CPL), das im Volksmund „Warzenmauke“ genannt wird. Hier ist zwar umgangssprachliche Wort Mauke enthalten, medizinisch betrachtet ist CPL jedoch eine eigenständige Erkrankung, die durchaus zusammen mit Mauke auftreten kann. Anfangs sieht CPL wie „normale“ Mauke aus, hat jedoch ganz andere Ursachen und Auswirkungen.

Aufgrund der Tatsache, dass CPL derzeit als unheilbar gilt und neue wissenschaftliche Erkenntnisse eine genetische Veranlagung nahe legen, möchte ich einen eigenen Blog-Beitrag hierüber schreiben. Er folgt in Kürze.

Verbreitung und Vorkommen

Mauke betrifft sehr häufig schwere Kaltblutrassen mit Behang, also auch Shire Horse und Clydesdale. Ältere Pferde (12 Jahre und älter) sind dabei häufiger befallen.

Unter Züchtern ist bekannt, dass deutlich mehr Hengste und Wallache betroffen sind als Stuten. Dies wird statistisch durch [Wallraf, 2003] in ihrer Dissertation bestätigt. In ihrer Arbeit mit mehr als 900 Probanden/Pferden konnte interessanterweise kein Zusammenhang zwischen hellem Behang bzw. Abzeichen oder heller, unpigmentierter Haut und Maukeerkrankungen festgestellt werden. Das widerspricht der landläufigen Meinung unter Züchtern.

Interessant ist ebenfalls die Quintessenz aus der Arbeit von Wallraf:
„Die Beteiligung genetischer Ursachen für das Auftreten von Mauke konnte bei den untersuchten Kaltblutrassen nicht eindeutig nachgewiesen werden.”

Das ist umso mehr ein Ansporn möglichst alle Mauke-fördernden Faktoren zu beseitigen, bzw. so weit wie möglich zu reduzieren.

Achtung: bei CPL (Warzenmauke) ist der aktuelle wissenschaftliche Stand von 2018, dass in diesem Fall durchaus genetische Veranlagungen eine Rolle spielen können. Daher ist es sehr wichtig die beiden Krankheiten Mauke und Warzenmauke voneinander zu unterscheiden!

Ursachen und Auslöser

Ein gesunder und ausgeglichener Organismus, insbesondere eine gesunde Haut, kommt mit einer umgebungstypischen Bakterien- und Pilzbesiedlung normalerweise klar und kann diese abwehren. Mauke ist eine „Faktorenkrankheit“. Das bedeutet, dass mehrere Ursachen und begünstigende Faktoren gemeinsam zum Krankheitsbild führen [Rüsbüldt, 2007]. Ist die Haut vorgeschädigt, bspw. durch Urin, Schmutz, Tausalz, mechanische Irritation (etwa durch häufiges Waschen oder pieksendes Stroh), dann haben Bakterien und Pilze eine reelle Chance sich festzusetzen. Das führt letztendlich zur Infektion und Entzündung. Daraus ergibt sich, dass es nicht hilft nur einen Faktor (bspw. den Auslöser der Infektion durch Bakterienbefall) zu beseitigen.

Das Organ Haut kann durch innere oder äußere Faktoren geschwächt werden. In der allgemeinen Literatur werden verschiedene, mögliche Ursachen benannt:

Haltung

Mangelnde Hygiene bei der Haltung (Schmutz, Urin, Mist, Ammoniak …) gilt als die häufigste Ursache für die Schwächung der Haut im Fesselbereich. Nach [Wallraf, 2003] besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen schlechten und unhygienischen Haltungsbedingungen und dem Auftreten von Mauke. Hier kommt noch die Jahreszeit als erschwerender Faktor hinzu. Mauke tritt häufig in den Wintermonaten auf. Neben den durch das Wetter erschwerten Haltungsbedingungen, kommt der Fellwechsel im Herbst und Frühjar hinzu, der die Haut seinerseits belastet und dem Körper notwendige Mineralstoffe entzieht.

Feuchtigkeit

Zu viel Feuchtigkeit schadet der Haut auf Dauer ebenfalls. Sie quillt auf, wird weicher und der PH Wert der Hautoberfläche kann sich verändern. Ein ganz bekanntes Beispiel beim Menschen sind die Schrumpelfinger, wenn der Aufenthalt im Schwimmbad oder in der Badewanne zu lang war.

Beispiele aus der Praxis sind im Schlamm versunkene Pferdebeine auf der Winter-Koppel oder -Paddock. Gleiches gilt für übertriebene Reinlichkeit. Zu häufiges Waschen schadet der Haut. Beim Waschen kommen neben dem Wasser in der Regel auch wasch-aktive Substanzen, Fettlöser und optische Aufheller hinzu.

Vorerkrankungen und geschwächtes Immunsystem

Eine Schwächung der Haut kann durch Vorerkrankungen erfolgen. Würmer oder eine durch Milben ausgelöste Fußräude sind Beispiele dafür. Eine akute Medikamentenbehandlung kann das Immunsystem ebenfalls schwächen. Es können auch Entgiftungsstörungen vorliegen, was durch „schlechte“ Leber- und/oder Nierenwerte erkannt werden kann.

Futter und Ernährung

Bei Kaltblütern gilt eine zu eiweißreiche Ernährung als Mauke-fördernd. Dazu gehören bspw. Weizenkleie, aber auch Hafer. Allgemein sollte beachtet werden, dass sich bei Kaltblütern zu häufiges und zu üppiges Kraftfutter nachteilig auswirkt. Bei kommerziellem Kraftfutter muss daher ein genauer Blick auf die Analyse der Inhaltsstoffe geworfen werden. Futter für Sportpferde verbietet sich per se. Bei Kaltblütern, die wirklich Leistung bringen müssen, bspw. beim kommerziellen Holzrücken oder gewerblichen Fuhrleuten, sollte ein guter Futterberater hinzugezogen werden.

Die Krankheit tritt, wie weiter oben schon kurz angerissen, jahreszeitlich bedingt gerne parallel zum Fellwechsel im Herbst und Frühjahr auf. Dieser ist für den Organismus immer eine Belastung. Er benötigt in dieser Zeit eine andere Versorgung mit Mineralien und Spurenelementen als im Sommer. Ein Mangel daran kann die Haut ebenfalls schwächen und belasten.

Stress und psychische Belastungen

Psychische Faktoren können eine Ursache für die Anfälligkeit für Mauke sein. Hierzu gehören etwa Stallwechsel, neue Weidekumpel oder mentale Überlastung (bei Ausbildung, Sport oder Arbeit).

Mechanische Reize und Irritationen

Stoppelacker, pieksendes Stroh oder zu starkes Scheren des Behangs kann die Haut im Fesselbereich vorschädigen.

Chemische Reize

Eher selten, aber nicht zu vernachlässigen, können Chemikalien im Umfeld der Pferde Mauke begünstigen. Hierzu zählen bspw. Taumittel im Reitsand, Weichmacher in billigen Hufglocken, Streusalz auf der Strasse oder Duft- und Parfümstoffe in gutgemeinten Cremes.

 

All diese Reize oder Mauke-begünstigenden „Faktoren“ setzen die Selbstheilungskräfte der Haut herab. Sie fördern daher die weitere Schädigung der Haut oder der darunter liegenden Gewebeschichten durch die Besiedelung von Bakterien, Pilzen oder Parasiten wie bspw. Milben. Diese können dann letztendlich der Auslöser einer Infektion und damit von Mauke sein.

Tritt eine Infektion durch einen dieser Auslöser auf, kann es im weiteren Verlauf zu Sekundärinfektionen kommen, die das Krankheitsbild indifferenter macht.

Aber Achtung, es müssen bei Mauke nicht alle oben genannten Ursachen und Auslöser zusammen vorhanden sein! Wie anfangs geschrieben handelt es sich um eine Faktorenkrankheit. Eine fast beliebige Kombination der Ursachen und Auslöser ist bei positiven Maukebefund möglich, da jedes Pferd eine individuelle Fitness und Anfälligkeit hat. So kann Mauke unter Umständen bei Pferden auftreten, die in hygienisch besten Bedingungen leben.

Behandlung, oder: Was hilft wirklich?

Eine erfolgreiche Behandlung erfolgt immer mehrgleisig:

  1. Ursachen beseitigen, meistens sind mehrere Faktoren beteiligt („Mauke kommt von Innen, Mauke geht von Innen“).
  2. Exakte Diagnose des Auslösers der Entzündung bzw. des Ekzems (Bakterien, Pilze, Parasiten, Allergie, Chemikalien, etc.).
  3. Auswahl des passenden Medikamentes bzw. Heilmittels, je nach Diagnose
  4. Vorbeugende Maßnahmen, um zukünftig Mauke zu verhindern.

Grundsätzlich gilt, dass die Ursachen beseitigt werden müssen! Sonst kommt man nicht aus einer sich zuspitzenden Spirale heraus. Je länger und häufiger das Pferd mit Mauke zu kämpfen hat, umso schwieriger wird es sichere Diagnosen zu Auslöser und Ursache zu finden. Das kann mitunter die schwierigste Aufgabe bei der Behandlung von Mauke werden.

Diese Maßnahmen helfen dabei:

Fütterung

Die Fütterung sollte der Leistung angepasst und eiweißarm erfolgen. Laboranalysen des Blutes können Mangel an Zink und anderen Vitalstoffen feststellen. Diese können durch im Handel erhältliche Präparate ausgeglichen werden. Es ist wichtig viel Raufutter anzubieten. Jedoch kein Heu oder Silage verwenden, die für Kühe hergestellt wurden aufgrund der für diese notwendigen hohen Eiweißanteile. Gut gedüngte Weiden sind ebenfalls tabu.

Haltung

Pferde nicht dauerhaft im Matsch stehen lassen und eine hygienische, saubere Haltung schaffen! Dabei hilft Absammeln der Pferdeäpfel, regelmäßiges Ausmisten und gute, Nässe bindende Einstreu zu benutzen.

Behang/Fesselbeuge

Mauke wird durch Feuchtigkeit und Wärme unter dem Behang, sowie unhygienische Bedingungen begünstigt. Die Anfälligkeit für Mauke kann daher durch trockene und saubere Behänge verringert werden. Die Behänge sollten regelmäßig kontrolliert werden. Nicht zu häufig waschen und nur vorsichtig mit einem groben Kamm auskämmen. Den Behang bitte nicht abrasieren! Dieser, oft von unerfahrenen Tierärzten ausgesprochene Rat, schadet mehrt als er hilft. Jeder Mann kennt das: die nachwachsenden Stoppeln jucken und sind unangenehm. Wenn der Behang aus praktischen Gründen die Behandlung stört, das Haar bitte zwei bis drei Zentimeter lang stehen lassen. Dann piekst es nicht und eine Behandlung der Wunden ist dennoch möglich.

Behandlung der Infektion

Die begleitenden Symptome, wie Bakterienbefall, Pilze oder Milben, können mit von Tierärzten verschriebenen Präparaten bekämpft werden. Daneben gibt es Behandlungen und Heilmittel, die im Anfangsstadium helfen und eine Behandlung unterstützen können.

Dabei gelten diese drei goldenen Regeln:

  1. Die Haut sollte nicht luftdicht abgeschlossen werden.
  2. Feuchte Stellen sollten trocken werden.
  3. Trockene Stellen sollten geschmeidig werden.

Bei leichtem Befall kann die Maukestelle zwei bis drei Tage lang mit einem Antiseptikum desinfiziert werden. Sehr gut bewährt hat sich Octenisept® aus der Apotheke, es ist schmerzfrei und farblos.

Schwefelblüte wirkt ebenfalls anti-bakteriell und kann in Apotheken erworben werden. Vermischt mit Paraffinöl (medizinisches Weißöl) lässt es sich leicht auf die betroffenen Stellen auftragen, bspw. mit einem sauberen Pinsel. Ein erprobtes Mischungsverhältnis ist ein Esslöffel Schwefelblüte auf einem Liter Paraffinöl. Das Öl hat den Vorteil, dass es die Haut geschmeidig hält und ergänzend gegen Parasiten hilft. Der Behang wird durch das Öl unempfindlicher für Dreck und Mist. Dieser lässt sich dann deutlich besser ausbürsten. Weißöl ist nicht schädlich, es ist in der Kosmetik der Hauptbestandteil von Hautcremes großer Marken. Es gibt für Pferde fertige Mischungen mit Schwefel zu kaufen, wie.z.B. „Itch Buster“ [Leg Oil]. Man findet passende Angebote auch mit der englischen Bezeichnung „Pig Oil“.

Ein altes Hausrezept sind Sauerkrautwickel. Diese lässt man über Nacht auf den betroffenen Stellen einwirken. Bewährt haben sich dabei Babywindeln, die mit silberfarbenen Panzerband (auch als Ducttape bekannt) stalltauglich gemacht werden können. Die Milchsäure senkt den ph-Wert, sodass ein für Parasiten und Bakterien ungünstiges Hautmilieu entsteht. Die Wickel können aufgrund der Säure jedoch nicht auf Stellen mit fortgeschrittener, offener Mauke aufgebracht werden.

In Küstennähe gibt es noch ein weiteres altes Hausmittel, um Mauke und andere Hautprobleme an den Beinen fernzuhalten: Salzwasser. In England, Belgien und Holland, wo Kaltblüter häufiger anzutreffen sind als bei uns, wurden und werden die Pferde hin und wieder nach getaner Arbeit durch knietiefes Meerwasser (Nordsee, Atlantik) geführt oder geritten. Das reinigt den Behang mechanisch. Darüber hinaus kann Salzwasser der Haut förderlich sein. In der Dermatologie wird es gerne bei Hautkrankheiten eingesetzt (Totes-Meer-Therapien). Aber auch hier gilt: die Menge ist das Heilmittel (oder das Gift). Die Behänge, bzw. die Haut darunter sollte so bald wie möglich wieder trocken werden.

Alles was der Haut hilft sich selber zu regenerieren, unterstützt auch die Behandlung von Mauke. Das können heilende Cremes, Spurenelemente und Nahrungsergänzungsmittel sein.

Ich hoffe, mit diesen Informationen und Tipps der Mauke ein wenig den Schrecken genommen zu haben. Falls Ihr, liebe Leser, noch weitere Informationen zum Themenkomplex Mauke habt, die hier noch nicht beschrieben wurden, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.

Kaltblut Hufe sind anders – oder doch nicht? (Teil 1)

Shire Horse Huf auf einer Hand (c) Tierfotografie Fabisch

Hufbeschlagsschmied und Barhufbearbeiter

Das weitreichende Thema Hufgesundheit beschäftigt Pferdebesitzer regelmäßig. Selbst wenn augenscheinlich die Hufe und der Bewegungsapparat gesund erscheinen, stellt sich spätestens nach längeren Gesprächen mit anderen Pferdemenschen bald die Frage, ob das jeweilige Pferd beschlagen werden sollte oder ob Barhuf die bessere Lösung ist. Wie bei fast allen Dingen im Leben gibt es immer Argumente dafür und dagegen, die jeweilige individuelle Situation ist entscheidend.

Einer der ganz großen Streitpunkte dabei ist, ob ein Hufbeschlagschmied oder ein Barhufbearbeiter sich um den Bewegungsapparat des Pferdes kümmern soll. Diese zwei, ich nenne sie an dieser Stelle der Einfachheit halber „Fachgebiete“, möchte ich näher beleuchten.

An dieser Stelle kommen zwei Experten für Kaltblut und im Speziellen für Shire Horse oder Clydesdale zu Wort.  Im folgenden Blog-Beitrag wird Ulrich Gerusel, ein bei Kaltblütern sehr erfahrener Hufbeschlagschmied, zu Wort kommen.

Im darauf folgenden Blog-Beitrag wird dann Christof Backhaus, DIfHO Hufbearbeiter, den Teil der Barhufbearbeitung näher beleuchten. Sie finden daher in den beiden folgenden Beiträgen hin und wieder augenscheinlich gegensätzliche Darstellungen und Meinungen, was bei dem komplexen Thema Hufbearbeitung nicht ungewöhnlich ist und auch nicht falsch im eigentlichen Sinne. Wenn die jeweiligen Fachleute Ihre Arbeit richtig machen, gelangen Sie auch mit unterschiedlicher Betrachtungs- und Herangehensweisen zum gleichen Ergebnis: einem funktionierenden und gesunden Huf.

Tellerhufe, Eisen und Irrtümer

Zum Einstieg, und mit Blick auf die Interessen der Leser, gestatte ich mir die Frage: was unterscheidet den Huf eines Warmblutpferdes von dem eines Kaltblutpferdes? Gibt es rassebedingte Unterschiede? Die Frage hat mir Gerusel, umgehend mit einem klaren „Ja und Nein“ beantwortet. Grundsätzlich sind die Hufe, und der restliche Bewegungsapparat gleich. Bei einigen Kaltblutrassen ergeben sich rassebedingt Unterschiede in der „Schuhgröße“ – die Mechanik, die Stellung und die Bewegungsabläufe sind physiologisch erst einmal gleich. Eine Ausnahme bilden jedoch Shire Horse und Clydesdale bei denen rasse- und zuchtbedingte Unterschiede vorhanden sind. Hierauf komme ich später zurück.

Die Größe der Hufe eines Kaltblut führen uns auch gleich zu dem Punkt, warum nicht alle Schmiede Kaltblut Hufe bearbeiten möchten. Angefangen beim Beschlagsmaterial, über die größeren Werkzeuge, dem größeren Ofen bis hin zum zeitlichen Mehraufwand, wird es schwierig geeignete Schmiede zu finden. Die Kaltblut Besitzer kennen das, praktisch alle Zubehörteile müssen in XXL erworben werden.

Auf meine Frage, warum trotz der gleichen Biologie, beim typischen Kaltblut andere Probleme mit dem Bewegungsapparat auftreten als beim typischen Warmblut, wird Gerusel nachdenklich und holt etwas aus. Viele der Probleme, die er in seinem Berufsalltag vorfindet, sind oft hausgemacht. Das hat etwas mit den Marktpreisen der Kaltblut zu tun, mit der Aufzucht und der späteren Haltung. An dieser Stelle ist es ihm wichtig nicht zu pauschalisieren! Es gibt viele Züchter und Besitzer, die sich sehr sorgsam und mit viel Fachkenntnis um ihre Pferde kümmern, jedoch zeigt seine berufliche Praxis, dass es auch anders kommen kann. Im Folgenden beschreibt er daher die Ursachen, die zu den typischen Kaltblut Hufproblemen führen können.

Kaltblüter erreichen schon in Ihrer Jugend mehr Körpermasse als vergleichbare Warmblüter, dieses Gewicht belastet Muskeln, Knochen, Sehnen, Knorpel und Gelenke. Daher ist es wichtig von Fohlen an dafür zu sorgen, dass das Wachstum des Bewegungsapparates durch ausreichendes und richtiges Mineralfutter unterstützt wird. Mangelnde und/oder falsche Bewegung tragen ebenfalls zu den Schädigungen bei. Auch die Fütterung kann Schäden herbeiführen, oft wird zu viel und falsch gefüttert. Zudem lastet dem Kaltblut der Ruf an, robust zu sein und einiges vertragen zu können. Leider wird daraus manchmal abgeleitet, dass Kaltblut daher mehr wegstecken können und mit preiswerterem oder weniger Aufwand gehalten werden können. Dem ist leider nicht so, gerade Shire Horse und Clydesdales sind eher empfindlich und neigen schneller zu Krankheiten als andere Kaltblut Rassen.

Gewichtsträger?

Auch der Mythos des Kaltblut als „Gewichtsträger“ führt durch die höheren Belastungen zu Problemen. Egal welches Pferd betrachtet wird, ein Gewichtsträger ist es nicht durch die Rasse, sondern eher durch den Stand der Ausbildung und dem geeigneten Exterieur. Die Rückenlänge, die Knochen, die richtige Bemuskelung und der Stand der Ausbildung entscheiden darüber, ob das Pferd sich selbst und den (schweren) Reiter tragen kann. [An dieser Stelle möchte ich auf das Kapitel “Mythos Gewichtsträger” im Buch verweisen, bei dem in einem Gastbeitrag erklärt wird, welche Voraussetzungen ein Pferd benötigt,  schwere Reiter tragen zu können (bzw. warum manchmal auch nicht)]

In ungünstigen Fällen kommt es daher zu degenerativen Erscheinungen und Überlastungen. Krongelenkschale und Hufknorpelverknöcherung sind Beispiele hierfür durch zu hohes Gewicht und zu wenig Durchblutung aufgrund mangelnder Bewegung. An dieser Stelle ist es wichtig, dass der Pferdebesitzer Veränderungen rechtzeitig erkennt und dafür sorgt, dass umgehend fachmännische Hilfe zur Anwendung kommt. Es passiert leider zu oft, dass zu viel Zeit damit verbracht wird andere Laien um Rat zu bitten und durch Fehlbehandlungen das Problem zu verschlimmern, anstatt gleich auf den Fachmann/frau zuzugehen. Neben Schmied oder Hufbearbeiter ist auch Ihr Tierarzt der richtige Ansprechpartner. Es gibt mittlerweile sehr gute Diagnostik, um die oben beschriebenen Probleme noch im Ansatz zu erkennen und proaktiv behandeln zu können. Dabei kann der richtige Beschlag helfen.

Massive Schale am Krongelenk
Massive Schale am Krongelenk (c) Tierosteopathie Braun
Hufknorpelverknöcherung (HKV)
Hufknorpelverknöcherung (HKV) (c) Uli Gerusel

Beschlag oder Barhuf?

„Bei vernünftiger Haltung muss nicht zwingend ein Beschlag verwendet werden, auch ein Shire Horse oder Clydesdale kann gut Barhuf gehen“, sagt Gerusel. „Anders wird es, wenn das Shire Horse oder Clydesdale als Arbeitspferd eingesetzt wird. Ich meine damit nicht eine Stunde Arbeit in der Bahn oder im Gelände, sondern intensive Kutschfahrten oder Wanderritte.“

Hier kann es aus Gründen des übermäßigen Abriebes auf Asphalt/Stein sinnvoll sein, durch Eisen mit Stiften [für den besseren Halt auf Asphalt. A.d.R.] den Huf zu entlasten. Wie bei jedem Heilmittel, gibt es auch hier Nebenwirkungen, die bekannt sein müssen. Beim natürlichen Abfußen (Barhuf oder ohne Stifte) rutscht der Huf durch die Schwungmasse der Glieder minimal nach vorne. Stifte geben auf Asphalt mehr Griff und verhindern das Rutschen. Der gesamte Bewegungsapparat wird dadurch stärker beansprucht („gestaucht“). Beim höheren Gewicht des Shire Horse oder Clydesdale belastet das schnell die Gelenke. Trotz der augenscheinlichen Nachteile bringen diese Beschläge aber deutliche Vorteile bei der Arbeitssicherheit für Pferd und Mensch. Hier muss individuell abgewogen werden, was das Richtige ist.

Solche Arbeitsbeschläge müssen nach spätestens sechs, maximal acht Wochen erneuert und der Huf entsprechend seinem Wachstum und der spezifischen Arbeit entsprechend bearbeitet werden, auch wenn der Huf oder der Beschlag es noch nicht fordern. Die „Rückstellung“ des Hufes durch die Bearbeitung ist für das Pferd belastend. Ein Huf wächst typischweise im Durchschnitt 12mm bis 15mm in zwei Monaten. Wenn das wieder weggenommen wird, verändert sich automatisch die Abfußung, die Stellung, etc. Daran muss sich der Bewegungsapparat erst wieder gewöhnen, was bei Pferden in Arbeit zu beachten ist. Größere Fehlstellungen benötigen daher einige Zeit, bis der Huf und die Biomechanik des Bewegungsapparates wieder die für das Pferd „richtige“ Form und Stellung hat. Hier muss in vielen kleinen Schritten das Ziel erreicht werden.

Besonderheiten der Kaltblüter

Kommen wir nun zum Eingangs erwähnten Unterschied des Shire Horse oder Clydesdale zu Kaltblut und Warmblut. Neben den im obigen Text beschriebenen Einflüssen des Menschen auf die Qualität des Bewegungsapparates, hat das Shire Horse, durch seine Zucht rassetypisch bedingt, eine etwas andere Form der Hufe und der Beinstellungen. Die englische Shire Horse Society wünscht beim Shire Horse die Hinterbeine eng gestellt. Die Gliedmaße unterhalb des Sprunggelenkes stehen zusammen („hocks together“) mit einer leichten Außenstellung der Zehen. Das ergibt eine Y-artige Beinstellung die nicht mit „Kuh-hessig“ verwechselt werden darf, das wären X-Beine. Auch sollen die Hufe flach und breit sein. Das gibt ihnen ein Entenfuß-ähnliches Aussehen. Durch diese Hufform, die bei in England gezogenen Pferden besonders ausgeprägt ist, ist die Hufwand (im Seitenprofil betrachtet) nicht trapezförmig, sondern erfährt eine leichte, nach innen gerichtete Rundung. Dadurch ergibt sich beim Huf des Shire Horse ein ausgeprägtes Zehenwachstum im Vergleich zum Röhrenwachstum anderer Rassen. Der Huf „schiebt nach vorne“. Oft ist zu beobachten, dass die Trachten dabei unterschieben.

Verschiedene Beinstellungen bei Pferden, rechts das "hocks together" bei Shire Horse und Clydesdale
Verschiedene Beinstellungen bei Pferden, rechts das “hocks together” bei Shire Horse und Clydesdale (c) Kirsty Farnfield

Statistisch nicht belegt, aber durch mehrere Schmiede/Hufbearbeiter beobachtet, ist die Tendenz, dass Shire Horses hinten gerne leicht bockhufig stehen. Auch die Korrektur der englischen „Tellerfüße“ kann langwierig sein, nicht immer führt es zum gewünschten Erfolg. Diese beim Shire Horse besonderen Hufformen müssen beim Ausschneiden und Anpassen beachtet werden. Hier ist es hilfreich, wenn der Schmied oder Hufbearbeiter Erfahrung mit Shire Horse oder Clydesdale hat.

Kaltblut Hufe sind anders – oder doch nicht? (Teil 2)

Warum die Vermeidung von Beschlägen sinnvoll sein kann

Nachdem wir im vorherigen Blogbeitrag (Teil 1) wichtige und interessante Informationen zur Anatomie der Hufe, insbesondere beim Shire Horse und Clydesdale, sowie den Möglichkeiten und Grenzen von Beschlägen kennen gelernt haben, wenden wir uns in diesem Beitrag der Barhufbearbeitung zu. Ideologisch betrachtet setzen wir uns damit in die andere Ecke des Rings. Aber sowohl Uli Gerusel, mein Experte im letzten Beitrag, als auch Christof Backhaus, DIfHO Hufbearbeiter und mein Experte für diesen Beitrag, sind lange genug im Leben angekommen und wissen um die Vorteile und Möglichkeiten ihrer jeweiligen Professionen.

„Ein Huf muss so bearbeitet werden, dass er funktioniert“, bringt es Backhaus auf den Punkt. „Jo!“, denke ich mir, „Ist ja ganz einfach.“ – und saß die nächsten zwei Stunden bei ihm in der Stallgasse, wo er mir am Beispiel einer seiner Shire Horse Stuten erklärte, was er damit meint. Ich bekomme dabei einen Abriss seiner zweijährigen Ausbildung zum DifHO Huforthopäden nach Jochen Biernat.

Huf und Funktion

Sein Ziel ist es, die auf den Huf wirkenden physikalischen Kräfte (Abrieb und Bodengegendruck) zu nutzen, um ungünstige Belastungen und damit verbundene Verformungen des Hufs mittels einer geeigneten Bearbeitung umzukehren. Es sind physikalische Kräfte, die einen Huf verformen. Es sind aber auch diese Kräfte, mit denen man Hufe orthopädisch wieder richten kann. Die richtige Hufphysik, die Statik, die Druck- und Hebelverhältnisse müssen stimmen. Dabei ist ihm Ursachen- und nicht Symptombehandlung wichtig. Man muss die richtigen Fragen stellen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Gerade bei Kaltblütern mit ihrem höheren Gewichten ist ein ausbalancierter Huf wichtig. Wie bei einem ausgelatschtem Schuh kann sich bei veränderter Abfussrichtung die Stellung der Gelenke ändern und die darüber stehende Knochensäule dreht sich mit. Das wiederum schadet dem ganzen Bewegungsapparat.

Für ihn als Barhufbearbeiter sind Hufbeschläge (egal ob genagelt, geklebt oder als Hufschuh) als reiner Abriebschutz zu sehen, nicht mehr und nicht weniger. Bei in Arbeit stehenden Pferden kann es durchaus notwendig sein die übermäßige Abnutzung zu stoppen, bevor der Huf sich stärker abreibt als er nachwachsen kann. Dennoch muss die Hufphysik stimmen. Backhaus ist es wichtig zu betonen, dass er nicht kategorisch gegen Beschläge ist, nur sollte die Entscheidung gut überlegt, sowie die Vor- und Nachteile genau abgewogen werden. Wenn z.B. Eisen verwendet werden, muss man u.a. wissen, dass sich sehr häufig die Trachten schneller abnutzen als die Zehe. Betrachten Sie einmal bei abgenommenen Eisen die Stellen auf denen die Trachten sitzen. Dort können leichte Vertiefungen entstehen, die die Trachten in das Eisen gearbeitet haben. Daher muss beim Eisenwechsel nicht nur das Horn weggenommen werden das nachgewachsen ist, sondern die Druck- und Kräfteverhältnisse müssen wieder richtig angepasst werden.

Barhufbearbeitung, Trachten und lange Zehe, vor der Bearbeitung
Untergeschobene Trachten und lange Zehe, vor der Bearbeitung, (c) Christof Backhaus
Barhufbearbeitung Trachten, 6 Monate später
Gleicher Huf nach Barhufbearbeitung, 6 Monate später, (c) Christof Backhaus

Einen Hauptnachteil eines Beschlages sieht Backhaus in der Beschränkung der Hufmechanik, wodurch die Durchblutung verringert wird, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann (schlechtes Hornwachstum, schlechte Hornqualität, …). Auch die starke Reduzierung des Tastsinns der Hufe führt tendenziell eher zu Überlastungen und einer schlechten Ausbalancierung auf unebenem Untergrund. Ebenso wird die Hufpflege durch Beschläge erschwert, was wiederum schnell zu Fäulnis führen kann. Neben der erhöhten Rutschgefahr weist er noch einmal auf den verstärkten Abrieb der Trachten hin, wodurch die Überstreckung der Fußgelenke gefördert wird. Gerade wegen letzterem muss ein beschlagener Huf auch orthopädisch richtig bearbeitet werden. Einfaches Ausschneiden, nur um das nachgewachsene Horn zu kürzen, reicht nicht. Dazu aber später mehr.

Aber auch ein Barhuf ist nicht automatisch ein guter und gesunder Huf. Bei weitem nicht! „Nur durch die fachgerechte Bearbeitung eines Barhufes von einem Spezialisten – egal ob das ein Huforthopäde, ein Hufpfleger, ein Schmied oder sonst wer ist – welcher genau weiß wie ein Huf funktioniert und die auf einen Huf einwirkenden Kräfte entsprechend richtig steuern kann, haben Pferd und Besitzer langfristig Freude an gesunden Hufen.“ betont Backhaus.

Besonderheiten beim Shire Horse und Clydesdale

Wie schon im letzten Beitrag beschrieben, findet man besonders beim Shire Horse und Clydesdale rassebedingt häufig ungerade, seitlich wegdrückende Hufwände. Neben den Hebelkräften, die dort wirken, schadet es auch der Hornsubstanz. Typisch bei ihnen ist das oft dick aufgepacke und weit nach unten an der Hufwand gezogene sogenannte „Basthorn“. Die Hufwand besteht aus vielen kleinen Hornröhrchen, die zusammen die tragende Wand bilden. Wird am Kronrand beginnend das eigentlich gerade wachsende Horn „gebogen“ bzw. gehebelt, dann brechen die äußeren Röhrchen auf und bilden dann das Basthorn. Bildlich gesprochen: nehmen Sie eine handvoll Spaghetti in beide Hände und biegen diese vorsichtig bis die ersten Nudeln brechen: so entsteht Basthorn.

Wenn bei beiden Rassen nicht von Geburt eine vernünftige Hufform erarbeitet wird, sind signifikante Hufprobleme in den folgenden Jahren sehr wahrscheinlich. Durch den hohen Druck und der rassebedingten Hufanatomie muss man jedoch meistens Kompromisse finden. Der Huf beim Shire Horse ist, so merkwürdig das auch klingen mag, von der Proportion her zu klein für das Pferd und muss dennoch hohen Kräften Stand halten. Andere Kaltblüter haben ein besseres Verhältnis der Hufgröße und Wandstärke zur Körpermasse. Shire Horses und Clydesdales haben aufgrund der Entwicklung der Rasse noch viel Vollblut eingekreuzt. Durch das hohe Gewicht der Pferde führt der hohe Druck zu „Kotflügeln“ (nach außen laufende seitliche Hufwände) und Trachtenlast, die Zehe wird entlastet und „schnabelt“. Daher haben gerade diese Pferde in Großbritannien, mit ihren durch die Bearbeitung absichtlich herbeigeführten Tellerhufen, die größten Probleme. Denn die nach außen laufende, flache Hufform hebelt besonders gut.

Typisch sind oft Risse, die im Vorderhuf meistens seitlich auftreten. Sie entstehen durch die Spannungen der ungleich auseinander strebenden Hufwände. Barhufbearbeiter korrigieren Risse, indem die Ursache (Hebel und gegeneinander wirkende Kräfte) beseitigt wird. Das bei Rissen oft gesehene „zwingend notwendige“ Eisen behebt nur das Symptom, beseitigt aber für sich alleine nicht die Ursache, die Hebelkräfte sind immer noch da.

Barhufbearbeitung Riss vorher
Shire Horse Huf mit deutlichem Riss, (c) Christof Backhaus
Barhufbearbeitung Riss, 4 Monate später
Gleicher Huf, 4 Monate später,(c) Christof Backhaus

Das andere Ende

Neben den tragenden Hufwänden hat ein Huf „unten rum“ noch weitere Bestandteile, die nicht unwichtig sind. Für mich war bspw. neu, dass der Strahl nach dem Ausschneiden so gekürzt wird, dass er keinen primären Bodenkontakt hat, wenn das Pferd normal auf dem Huf steht. Nur wenn der Huf im Boden einsinkt, dämpft der Strahl den Druck. Meinen fragenden Blick sehend erklärt er gleich warum: „Der Strahl hält dem primären Bodendruck dauerhaft nicht Stand. Wird er zu sehr beansprucht, bilden sich sog. Milchtaschen, die Substanz des Strahls weicht milchig auf. Auch entstehen rote Einfärbungen durch Quetschungen der Lederhaut im Strahl.“. Ein Barhufbearbeiter schneidet die Sohle nicht einfach nur aus, um Platz zu schaffen, sondern glättet sie, nimmt Unebenheit weg und formt sie zusammen mit den Eckstreben zu einer tragenden Komponente.

Apropos Strahl – kommen wir zum Schreckgespenst der Wintermonate: Strahlfäule. Auf meine Frage nach dem perfekten Mittelchen gegen die Fäule kann sich Backhaus ein Grinsen nicht verkneifen: „Der beste Schutz ist richtiges Ausschneiden. Die Fäulnis-verursachenden Bakterien lieben feuchtes, warmes Klima unter Ausschluss von Sauerstoff. Also lautet die Lösung: Luft dran kommen lassen und möglichst trocknen halten.“ Aber Vorsicht! Der vielfach beliebte Jodoformäther trocknet zu viel und zu schnell aus, die Lederhaut nimmt Schaden, es entsteht totes Horn, das mehr schadet als es nützt. Strahlfäule ist zu 90% ein Bearbeitungsproblem, weniger ein Pflegeproblem und lässt sich bei Beschlägen nicht immer verhindern.

Aufgrund von Fäulnis und der dadurch entstehenden Zersetzung des Horns durch anaerobe (sauerstoffmeidende) Bakterien können Hufgeschwüre entstehen, die sich bildende Flüssigkeitsblase drückt gegen die Lederhaut, es kommt zu Schmerzen und damit auch zu Lahmheiten. Dagegen gibt es eine sinnvolle Maßnahme: Das Hufgeschwür möglichst vollständig öffnen, Luft daran kommen lassen und loses Horn entfernen. Die Steigerung davon ist der Hufkrebs, er entsteht durch eine völlig überlastete, gereizte Lederhaut, die kollabiert und zum Hufkrebs blumenkohlartig aufquillt.

Er entsteht aufgrund chronischer Überreizung z.B. durch Hufgeschwüre (s.o) oder durch extreme Fehlbelastungen (bspw. durch Zwanghufe).

„Gibt es Möglichkeiten, wie wir Pferdemenschen die Hufe unterstützend pflegen können?“, frage ich Backhaus. Von der Antwort war ich überrascht, er rät von auf dem Markt vorhandenen Produkten ab und empfiehlt eine sinnvolle und regelmäßige Hufbearbeitung durch einen Fachmann bzw. eine Fachfrau. Die gerade im Sommer gerne durchgeführte Wässerung der Hufe ist nutzlos und schadet eher, denn ein Huf kann Wasser nicht aufnehmen. Es quillt lediglich die äußerste Schicht etwas auf und dadurch reibt sich das Horn auf dem trockenen, harten Sommerboden schneller ab. Bei Pferden, die Hufschuhe tragen müssen, ist zu beachten, dass diese nicht rund um die Uhr getragen werden, der Huf muss Gelegenheit haben abzutrocknen. Was viele nicht wissen: Pferde schwitzen auch über den Huf, so dass sich im Hufschuh immer ein feuchtes Klima entwickeln wird.